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Historienfilm. Deutschland, 1942
Alternativer Titel -

Regie Veit Harlan
Drehbuch Veit Harlan
Produktion Tobis-Filmkunst GmbH (Berlin)
Musik Hans-Otto Borgmann
Kamera Bruno Mondi
Schnitt Friedrich Karl von Puttkamer
Darsteller Otto Gebühr, Kristina Söderbaum, Gustav Fröhlich, Hans Nielsen,
Paul Wegener, Paul Henckels, Elisabeth Flickenschildt, Kurt Meisel, Harry Hardt
Länge 112 Min.

Kinostart 1942

 

Humor Spannung Action Gefühl Anspruch Erotik
. .

©  Text Marco, molodezhnaja 5.4.10
©  Bilder Koch Media, Screenshots molodezhnaja


STORY
Die Preussen verlieren 1759 bei Kunersdorf die Schlacht gegen die Österreicher und Russen. König Friedrich II (Otto Gebühr) überlebt zwar, doch sein Heer wurde von 48'000 auf gerade Mal 3'000 dezimiert. In Berlin herrscht Trauerstimmung, über eine Kapitulation wird nachgedacht und selbst der Herrscher ist kurz davor, aufzugeben. Doch er wird plötzlich von einem ungeheuren Siegesdurst heimgesucht und baut eine neue Armee auf. Während Friedrich die Säbel rasseln lässt, verliebt sich Treskow (Gustav Fröhlich), ein Feldwebel seiner Truppe, in das Fräulein Luise (Kristina Söderbaum
). Zeit für Liebe bleibt nicht, denn vor den Toren Torgaus soll eine Schlacht die Entscheidung bringen und das Gesicht Europas verändern.

 

REVIEW
Die "Fridericus"-Reihe wandelte sich in etwas mehr als zwei Jahrzehnten genauso, wie sich Deutschland wandelte. Sie begannen als Historienfilme, die nach dem Ersten Weltkrieg für eine Wiedereinrichtung der Monarchie plädierten, machten sich danach daran, den Nationalstolz der Deutschen wieder zu stärken und schaffte so unter den Nazis nahtlos den Übergang zum Propagandafilm. Dies ist auch gut zu sehen in "Der letzte König", dem letzten Werk der Reihe. Ähnlich wie die unmittelbaren Vorgänger, zum Beispiel Fridericus - Der alte Fritz (1937), werden die Parallelen zwischen Friedrich II und Adolf Hitler herausgearbeitet, und Preussens Kampf mit dem des Deutschen Reiches gleichgestellt.

In nahezu jedem Satz spiegelt sich daher die Kriegspolemik des Regimes. Die Franzosen, Russen und anderen Grossmächte Europas werden beleidigt, die Versailler Verträge gegeisselt - wobei absichtlich schwammig bleibt, ob nun jene von 1756 oder 1919 gemeint sind. Die im Siebenjährigen Krieg auf der Seite der Preussen kämpfenden Engländer werden ignoriert. Dafür wird die preussische Armee gezeigt als Kampfkraft, die selbst in Unterzahl Siege einfährt, und es dominiert Kriegsjargon in nahezu allen Lebenslagen. Frei nach Friedrichs Ausspruch "Racker, wollt ihr denn ewig leben?". Ob man nun mit einem Mädchen flirtet oder unter Seinesgleichen einen Tee trinkt, nie geht es ohne Säbelrasseln, nie ohne laute Worte. Nahezu jeder Schauspieler ist daher angehalten, zu chargieren.

Im Falle von Otto Gebühr hat man sich freilich daran gewöhnt. Er spielte in fast allen "Fridericus"-Filmen den alten Fritz und tut dies mit Gusto, weshalb sein Erscheinungsbild nahezu bekannter wurde als das des echten Fritz. Er lebt die Rolle - und wenn das beinhaltet, sich durch einen Film zu Grummeln und Schreien, so wie hier, dann macht er das. Sympathisch? Denkste. Aber er kommt herüber als alte Kampfsau mit taktischem Verständnis und Liebe zu seinen Soldaten. Hitler selbst war damals auch nicht gerade erpicht darauf, der beliebteste Mensch auf Erden zu sein. Es dominierte sein expansionistisches, kriegerisches Wesen - etwas eben, was hier in Fritz seine Entsprechung findet.

Damit diese Parallelen auftauchen, damit der Film schön völkisch und linientreu wurde, betraute Goebbels den Regisseur Veit Harlan (1899-1964) mit dem Film. Der hatte 1940 bereits mit dem antisemitischen Propagandafilm "Jud Süss" demonstriert, dass er sich vorbehaltlos in die Dienste des Führers begeben kann. Und mit Kolberg drehte er 1945 das letzte grosse Epos des Dritten Reichs. Hier hält er sich in Sachen Demagogie eher etwas zurück, aber die Ideen im Drehbuch sind trotzdem unmissverständlich herausgearbeitet. Bis hin zum Ende, das nach dem grossen Krieg endlich Wolhlstand und bäuerliches Glück verspricht.

Was den Film aus heutiger Sicht reizvoll macht, ist selbstverständlich diese historische Komponente. Auch wenn im Vorspann darauf gepocht wird, alles Gezeigte entspreche der Realität, ist natürlich vieles erstunken und erlogen. Doch zu sehen, was manipuliert oder verändert wurde, offenbart etwas über das Denken hinter dem Projekt und dies sorgt für sein filmhistorisches Interesse. Auch vom inszenatorischen Aspekt her, ist "Der grosse König" indes keine Ramschware. Harlan ist ein guter Regisseur und er montiert seine Story mit Tempo.

Grösste Trumpfkarte sind aber die Massenszenen, die Harlan aufwendig choreografiert und arrangiert. Riesige Truppenverbände liefern sich spektakuläre Schlachten - Harlan schien sich da bereits für "Kolberg" warmzulaufen. Schauspieler haben in diesem Getöse kaum eine Chance. Gebühr kriegt seine grossen heroischen Szenen, das ist klar. Paul Wegener darf kurz als russischer General vorbeischauen. Doch der Rest bleibt blass. Das gilt auch explizit für Kristina Söderbaum, eine langweilige und farblose Schauspielerin - die 1939 Harlans dritte Ehefrau wurde. Seine erste, welch bittere Ironie, war Jüdin, und starb 1943 im KZ Auschwitz.

"Der grosse König" ist sicherlich kein guter Film - doch sein Aufwand und seine solide Inszenierung verleihen ihm etwas Klasse. Und Otto Gebühr, längst zu einem Ersatz-Frierich gewachsen, fühlt sich in der Rolle freilich pudelwohl. Negativ ins Gewicht fallen seine Überlänge, die zu einigen Durchhängern führt, ebenso wie das Pathos mancher Szenen und das übertriebene Schauspiel, das keine Subtilität zulässt. Und nicht zu vergessen: Der Propaganda-Anteil macht den Film aus heutiger Sicht schwer zu schlucken. Es handelt sich aber um einen gerade noch brauchbaren Abschluss einer Filmreihe, die vielsagende Einblicke in den Zustand der deutschen Volksseele in ihren Entstehungsjahren 1921-1942 offenbart.

 

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EXTERNE REVIEWS 
imdb.com

 

SCREENSHOTS

Screenshots der DVD mit TotalMedia Theatre 3, verkleinert und leicht geschärft mit CorelPaint


 

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