The Matrix Revolutions (2003)

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US-Start: 05. 11. 2003
CH-Start: 05. 11. 2003


Regie: Andy und Larry Wachowski
Buch: Andy und Larry Wachowski
Produktion: Joel Silver, Grant Hill
Kamera: Bill Pope
Musik: Don Davis
Cast: Keanu Reeves, Carrie-Anne Moss, Laurence Fishburne, Hugo Weaving, Jada Pinkett-Smith, Mary Alice, Nathaniel Lees, Harold Perrineau Jr., Lambert Wilson, Collin Chou, Monica Bellucci, Ian Bliss, Bruce Spence
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Kritiken:
Roger Ebert (USA) 3/4 ... in a basic and undeniable sense, this is a good movie.
James Berardinelli (USA) 2½/4 ... When The Matrix Revolutions works, it does so as eye candy
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(c) Warner Bros.

 


Review:

31.10.03 (online 3.11.)

Lang lebe die Revolution. "The Matrix Revolutions" bringt die Cyber-Trilogie der Wachowski-Brüder zu einem fulminanten Abschluss. Viele der offenen Fragen werden beantwortet, einige offen gelassen, um Raum für allfällige Games und Filme im "Matrix"-Universum zu lassen, doch "Revolutions" ist vor allem eines: Ein knalliges Sci-Fi-Epos, das sich getraut, alles andere als subtil zu sein. "Revolutions" ist sozusagen ein Anime aus Fleisch und Metall. Jeder Shot, nein jede Wendung und jeder Dialog könnte direkt aus einem Anime sein - und das ist für Leute wie mich, die Animes schätzen, ein Genuss. Hier ein (visuelles) Beispiel:

Der Film beginnt ähnlich, wie der letzte aufgehört hat: Mit vielen konfusen Reden. Das mag einige labgweilen, ich habe noch immer wunderbar Spass an diesen pseudo-aufgeblasenen Dialogen. "Kannst du mir sagen, was hier passiert?" "Nein, aber du weisst, was passiert!" "Kannst du es mir erklären?" "Nein, das musst du selber tun" "Ich weiss, was aber nicht, was ich tun muss". "Tu es" "Was?" "Ich weiss es nicht" - Grossartig. Danach ist man genauso schlau wie vorher. "Matrix" war aber noch nie ein Film der gelungenen Dialoge. Vielmehr ist beinahe jedes gesprochene Wort der ganzen Trilogie nur dazu da, Rätsel aufzugeben, die dann visuell wieder aufgelöst werden; eine wunderbare Ballance, die in "Revolutions" ein Stadium der Perfektion erreicht, wenn dann nach dem Reden die Action kommt.

Die Action ist wie zu erwarten der Krieg zwischen Mensch und Maschine. Der erste "Matrix" endete ja mit Neo, der in die Luft saust und man weiss, nun kommt der Krieg. Ich bin der Meinung, man hätte diesen Krieg gar nie sehen müssen. Man weiss, Neo kann es, also passiert der Rest im Hirn. Nun kriegen wir den Krieg aber vorgesetzt. Und ich kann nur sagen, wenn man ihn schon sehen muss, dann so wie die Wachowski ihn zeigen. Die Truppen von Zion sind in Rage, sie schreien "für Zion!!" bevor sie sterben, sie glauben an den Sieg. Es ist eindeutig, diese Leute sind fanatisch oder durchgeknallt. Hier ist schliesslich ein Volk, das lebt seit langer Zeit nur für diesen Tag. Für die Revolution, für den Kampf Fleisch gegen Metall. Da ist klar, dass Glaube allgegenwärtig ist. Und Hass auf die Maschinen. All dies steigern die Wachowskis in ein gnadenloses Schlachten-Gemetzel, das extrem hektisch ist, aber auch überraschend spannend. Trotz so manchen Stereotypen und Logiklöchern. Und wer darin irgendwie US-Armee-Propaganda oder gar Parallelen zum Irakkrieg sieht, hat zuweit gesucht.

Dazwischen wird die Story von Neo und Trinity weitergesponnen. Liebe als Kontrast zur Zerstörung. Und wir erfahren wieder mehr über das Orakel. Die Frage, warum Neo am Schluss von "Reloaded" die Sentinels anhalten kann, wird nicht aufgelöst - sondern als Fakt genommen. Die "Lösung" ist einfacher als das, was sich nach "Reloaded" alle zusammenbastelten. Deshalb fiel "Reloaded" in meiner Gunst auch etwas. Er suggerierte eine cleverere Story. Das ist ein netter Mindfuck-Trick, aber irreführend. Man konnte nach "Reloaded" zwar schön spekulieren - aber eigentlich ist alles unnötig: Eine Matrix, eine Menschenwelt. Damit hat es sich. Und dann gibts eben Krieg. Die Maschinen bohren, die Menschen verteidigen sich. Es gibt viele viele Tote.

Die Musik passt sich an. Neben Don Davis' bekannter leicht elektronisch verzerrter Musik kommen Chöre zum Einsatz, epische, wuchtige Töne, die das Finale herbeirufen. Bevor ich zu diesem komme noch ein paar kleine Dinge: Monica Bellucci hat nix zu tun in dem Film. Schade, aber was solls. Sie wollte diese kleine Rolle haben. Der Hauptteil spielt in der realen Welt. Erst gegen Schluss spielt wieder mehr in der Matrix. Es spritzt ziemlich viel Blut: "Revolutions" ist hart und zeigt das auch. "Revolutions" fehlt die Eleganz von "Matrix". Es gibt ein paar schöne Bullet-Time-Effekte, doch das meiste in dem dritten Teil ist dreckige Arbeit, fighten oder sterben. Schreien, schwitzen, bluten - die visuelle Poesie aus Teil eins weicht dem Bombast. Wie es zu einem Finale gehört.

Und so langsam zeigt sich, dass Neo einen Plan hat. Er reist mit Trinity direkt zur Maschinenstadt. Was zu tun? Das lass ich hier mal offen. Aber die Spannung steigt. Und der Trailer hat ja angekündigt, dass es einen grossen Kampf gegen Smith geben wird. Der ist brillant - ein Duell der Megaklasse im Regen. Gut gegen Böse, der finale Showdown. Die letzte halbe Stunde ist Anime in Reinkultur - und einfach eine Wucht. Der Fight, das Ende, der Kitsch und das masslos überzogene Pathos fügt sich zu einem Film zusammen, der neurotisch zynischen Kritikern im Hals stecken bleibt. Ich bin auch Zyniker, aber bei der Botschaft von "Revolutions", die im übrigen auch typisch Anime ist und sich in "Animatrix" und "Reloaded" (etwa die Szene zwischen Reeves und Anthony Zerbe) abgezeichnet hat, muss man den Zynismus beiseite schieben und sich dem dargbetonen Grandeur hingeben. Wer sich nicht mitreissen lassen kann von Emotionen und Wucht, der ist verloren. Ich war für meinen Teil voll dabei, voll involviert. Ich kann kaum in Worte fassen, wie genial für mich am Ende alles ineinander griff.

Damit sage ich auch gleich "für mich". Ich fand ja auch "Reloaded" schon toll, während viele ihn verwarfen. "Revolutions" finde ich geiler, weil er mehr Action hat, wunderbare visuelle Szenen und einen bis in die Perfektion gehende Anime-Philosophie. Damit kehrt "Matrix" ja auch zu de Ursprüngen zurück. Und damit wird "Matrix" auch zum Gesamtkunstwerk. Insbesondere die Anime von "Animatrix" sind entscheidend für den Background. Sie, das Game "Enter the Matrix" und alle drei Filme - das ergibt diese ganz spezielle Welt. In dieser Welt gibt es letztendlich drei Konzepte, an die sich "Revolutions" heranwagt: Liebe, Glaube und Wahl. Wahl ist das, was Maschinen zwar können, aber nie ganz verstehen. Im Smith-Neo-Fight wird es ganz klar, als Smith fragt "why do you do it?" - und Neo bloss sagt "because I choose to." Elementar simpel. Dann die Liebe. Die ist in der Neo-Trinity-Story omnipräsent und auch das Finale dreht sich um diese Frage. Und zuletzt Glaube. Der wird viele stören. Doch schon Teil eins war die Geschichte eines Erlösers. Und die wird zu Ende gesponnen - mit allen Konsequenzen. "Matrix Revolutions" ist kein explizit religiöser Film, schliesslich vereint er so ziemlich alle Weltreligionen zu einem seltsamen Brei, aber er erzählt von Menschen, die glauben müssen. Wofür leben sie, wenn nicht im Glauben an eine Welt, die einmal kurz angedeutet wird als Neo und Trinity in einem atemberaubenden Shot über die Wolken fliegen und kurz die Sonne sehen. Dafür fighten sie, dafür glauben sie - auch an Neo, der sie erlösen soll. Teil 1 machte diese biblische Komponente längst klar und "Revolutions" vollendet den Kreis. Ich finde es brillant, aber wenn man dies als biblisch-missionarische Glaubens-Story anguckt, ist man auf dem falschen Dampfer. In Anime und westlichen Comics ist der Glaube stets vorhanden, im westlichen Mainstream- und mehr noch im Independent-Kino dagegen ist er verpöhnt. Dabei macht er in "Matrix Revolutions" wie oben erwähnt, mehr Sinn also irgendwo sonst. Und es funktioniert eben. Es funktioniert. Vorausgesetzt man kann sich dem Gebotenen öffnen ...

Und damit sollte ich mal in der Non-Spoiler-Sektion abschliessen. "The Matrix Revolutions" ist ein gigantisches Sci-Fi-Epos mit übersteigerten Dada-Dialogen, beeindruckenden Effekten, epischen Schlachten, einem hoffnungsvollen Finale, genialer Anime-Ästhetik und einer überwältigend eingesetzten Mischung aus Pathos, kindlicher Erzählfreude und Überwältigungskino. Wer Anime mag, sollte "Revolutions" mögen. Wer "Reloaded" hasste, wird durch "Revolutions" sicher nicht zum Gläubigen. Für mich funktioniert die Trilogie. Als Einzelfilm wäre "Matrix" genug gewesen, aber mit seinen beiden Sequels sowie "Animatrix" (insbesondere "The Second Renaissance") und den Games wird er zum Wachowski'schen Gesamkunstwerk, das den Zuschauer zwar manchmal anstrengt, aber mit einer Welt belohnt, die es sonst nie zuvor gegeben hat. Eine Wucht!

Und wie endet der Film? Ich warne schon mal. Ab hier nicht weiterlesen. Erst den Film anschauen. Jetzt! Weg! Okay. Die Spoiler-Sektion. Das Ende spar ich mir mal auf und widme mich erst Smith. Er ist der Negativ-Pol zum Positiv-Pol Neo. Das Jing zum Jang, der zweite Teil im Kampf Gut gegen Böse. Das ist einfacher, als man es sich vorstellen konnte und macht auch nicht zu jedem Moment Sinn (insbesondere Smiths Fähigkeit, in die reale Welt überzutreten, wird viel zu wenig thematisiert) - aber es erlaubt das Finale Smith vs. Neo. Wieso? Weil Neo in die Maschinenstadt reist. Dabei stirbt Trinity und Neo bleibt nur noch eines: Er bietet den Maschinen Frieden an! Er sagt, Smith klone sich in Windeseile und bedrohe Maschinen und Menschen. Also loggt er sich die Matrix und bekämpft Smith, der die Matrix bereits sein Eigen gemacht hat. Es gbt nur noch Smith in der Matrix. Der Fight ist grandios.

Und er endet mit dem Poster-Satz "everything that has a beginning, has an end". Der Satz stammt vom Orakel und damit weiss Neo, dass Smith das Orakel (das er Mutter nennt!) assimiliert hat. Das ist der Weg, ihn zu vernichten. Neo lässt sich assimilieren und ist sozusagen ein menschlicher Virus, der das Programm Smith zerstört. Er opfert sein Leben (natürlich: er ist ja der Erlöser) für den Frieden zwischen Mensch und Maschinen. Friede. Wunderbar - schon wieder ein Anime-Thema par excellance. Die Koexistenz, die in "Reloaded" noch ganz subtil angedeutet wird, etwa als Neo mit dem Ratsherren (Anthony Zerbe) im Keller steht, und die in "The Second Renaissance" zerbrach. Was auch immer man reinlesen will, es ist der Sieg des Friedens. Und die Matrix bleibt vorerst bestehen. Als "schöner" Ort. Mit einer kitschigen Sonne (das Programm, das sie kreiert, ist noch ein Kind, also kann man es verzeihen ...). Aber wer raus will aus der Matrix, der darf. In welche Welt er kommt, wie die Maschinen fortan zu Strom kommen, all diese Fragen sind ausgeblendet, aber das ist egal. Das muss man nicht mehr wissen, weil man weiss, der Grundstein für eine bessere Zukunft ist gelegt. Insofern ist "Matrix" ein optimistischer Film. Und damit bin ich zum letzten Mal bei Anime: Die sind ja meistens sehr düster - doch was die Helden antreibt, ist die Hoffnung (der Glaube) an das Bessere. Oft werden extreme Opfer gebracht, um dem Film mit einem Funken Hoffnung zu beenden. Das tut "Matrix". Und ich liebe ihn dafür ...  

 


page created: 31.10.03  ~  last updated 3.11.03

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© Texte: molodezhnaja.ch

©  Bilder: Warner Bros.

 

 

 

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